Lesung des ungarischen Schriftstellers und Wahlberliners György Dalos

Veröffentlicht von am 11.06.2012, 12:52 | Kommentar

In unserer Zeit ist nichts mehr sicher. Banken fallen wie Fliegen. Europa rettet Griechenland nur mit Mühe und Not vor dem sicheren finanziellen Freitod.
Die einzige Sicherheit bleibt – man spricht von der Gewissheit des Todes. Nun Wirklich!? Ist doch der Tod auch nicht sicher, wie der freie ungarische Schriftsteller und Wahlberliner György Dalos in seinem neuesten Roman „Der Fall des Ökonomen“, während der Lesung im Altstadthotel Passau am Samstag, 12. Mai 2012 verkündet hat.

György Dalos liest aus seinem neuesten Schelmenroman

György Dalos bei der Lesung seines neuesten Schelmenromans

In seinem neuesten Schelmenroman verstrickt sich der Protagonist und einstmalige Wirtschaftsstipendiat, Mitarbeiter an der ungarischen Wirtschaftsreform vom 1968, Dissident sowie kurzeitiger Nach-Wende Funktionär Gábor Kolozs in die lukrativste Lügengeschichte seines Lebens. Allerdings mit bitterem Beigeschmack. György Dalos lässt seinen Romanhelden Gábor Kolozs schreckliches tun. Dieser verheimlicht den Tod des Vaters, um die Zeit bis zu seiner Rente mit finanzieller Unterstützung durch die Schweitzer Stiftung zu überbrücken. Denn Gábor Kolozs Vater war Holocaustüberlebender und erhält eine Wiedergutmachung für diese Zeit.

An diesem Nachmittag liest György Dalos die Geschichte einer Täuschung. Einer Irreführung. Einer erfundenen Person, die in aller Ruhe und Sachlichkeit sich durchs Leben mogelt.
Dalos geht dabei auf jedes noch so kleine Detail ein, und beschreibt ausführlich den Tagesablauf seines glücklichen Helden, dem später im Verlauf des Romans, die Aufdeckung seines Lügenkonstrukts droht. Dabei finden sich Parallelen zwischen Autor und Romanfigur. Beide waren Studenten an der Universität in Moskau und beide sind jüdischer Herkunft und entstammen demselben sozialen Milieu.

Für den Autor György Dalos ist die Erzählung um die eigentliche Geschichte das interessante an seinem Roman. Er greift das moderne Thema des gefallenen Ökonomen in einer schönen ironisch melancholischen Art und Weise auf, die den Leser schmunzeln, nachdenken und mitleiden lässt. Der, zu seinen Gunsten Trickser, wird in Dalos Roman der aufrichtig sympathische Zeitgenossen, der genauso lebt wie jeder andere anständige Bürger zu seiner Zeit.

Der Fall des Ökonomen ist ein liebenswerter Roman der einem darüber hinweghilft, wenn doch mal nicht alles so sicher scheint wie es soll. Denn Dalos Held lässt sich trotz seiner ungewissen finanziellen Situation und der Gefahr jeden Moment aufzufliegen, nicht aus seiner lockeren und Sicherheit ausstrahlenden Art bringen.

Die Lesung fand im Rahmen des DAAD-Sommerseminars zum Thema „Intellektuelle Eliten in Ost- und Westeuropa in Geschichte und Gegenwart“ vom 07.-12. Mai an der Universität Passau statt. In interdisziplinären und komparatistisch angelegten Blockseminaren zu Geschichte, Politik, Soziologie, Literatur-, Kunst- und Kulturwissenschaften gaben renommierte Referenten auf dem Gebiet der intellektuellen Eliten Ost- und Westeuropas Einblicke in die Thematik und diskutierten mit den Teilnehmern aus 11 osteuropäischen Staaten sowie Passauer Studierenden. Im Rahmen einer Fachexkursion nach München führten Teilnehmer Gespräch zum Thema „Eliteförderung in Deutschland“ mit Experten in der Bayerischen EliteAkademie, besuchten Pinakothek der Moderne mit thematischen Führung „Avantgarde – Elite in Kunst“ und machten einen Rundgang im Schwabing zum Thema „München und Intellektuelle“. Weiterer Bestandteil des Programms war die Präsentation des Dokumentarfilms „Občan Havel. Citizen Havel“ (Tschechien 2008), der über dreizehn Jahre aus dem Leben des außergewöhnlichen Staatsmannes und Menschen Václav Havel zeigt.

Das DAAD-Sommerseminar 2012 wurde durch die Initiative Perspektive Osteuropa am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte Osteuropas und seiner Kulturen (Prof. Dr. Thomas Wünsch) organisiert. Die Realisierung des Projektes wurde durch die finanzielle Unterstützung des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD) im Rahmen des DAAD Alumni-Programms und aus Mitteln des Auswärtigen Amts ermöglicht

(Text und Bild: Text und Bild: Initiative „Perspektive Osteuropa“, Tel. 0851/509-2874, E-mail: perspektive-osteuropa@uni-passau.de. -)

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