Made in Passau: crealytics

Veröffentlicht von am 14.05.2013, 15:09 | 1 Kommentar

crealytics_logoVor sechs Jahren gründeten Andreas Reiffen (Diplom BWL & Bachelor Wirtschaftsinformatik) und Christof König (Diplom Informatik) den Dienstleister für erfolgsbasiertes Search Engine Advertising namens crealytics. Beide absolvierten ihr Studium an der Uni Passau. Zum Zeitpunkt der Gründung war Christof bereits zwei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Theoretische Informatik tätig. Seine Promotion brach er für crealytics ab.

Heute beschäftigen die beiden über 70 Mitarbeiter an mittlerweile zwei Standorten. Das noch relativ junge Startup schreibt beeindruckende Zahlen: Seit 2010 um über 400% gewachsen und über 10 Millionen Euro Umsatz. Große Kunden und zahlreiche Auszeichnungen bestätigen den Erfolg. Crealytics hat sich somit zu einem der erfolgreichsten und dem am schnellsten wachsenden Startup Passaus gemausert.

Google ist heutzutage für diverse Dienste bekannt – nicht zuletzt als Firma hinter der mächtigsten Suchmaschine der Welt. Nicht jeder weiß allerdings, dass Google mittlerweile auch die größte Werbeagentur der Welt ist. Dabei ist das Werbegeschäft für die restlichen Unternehmensbereiche überlebenswichtig. Google fährt den Löwenanteil seines Umsatzes durch Werbung ein, die in Suchergebnissen oder auf Webseiten angezeigt wird. Für Werbetreibende bietet Google die Möglichkeit ihre Anzeigen durch unterschiedliche Werkzeuge im Web zu platzieren – AdWords ist eines dieser Werkzeuge. AdWords funktioniert, vereinfacht gesagt, in drei Schritten: 1. Man wählt eine Menge von keywords aus, die die Produkte des Werbetreibenden beschreiben, 2. man schreibt einen passenden Anzeigetext und definiert 3. eine landing page, auf die ein Benutzer im Falle eines Klicks auf die Anzeige weitergeleitet wird.

Gerade für große Unternehmen im eCommerce ist dieser Prozess sehr aufwändig. Jedes Produkt ist über mehrere Merkmale charakterisiert, wodurch im Extremfall Millionen von keywords manuell eingetragen und verwaltet werden müssen. Zudem muss für jede Kombination der keywords ein individueller Anzeigentext erstellt sowie eine spezielle landing page definiert werden. Deshalb betreiben manche Unternehmen ganze Abteilungen für die Konfiguration und Verwaltung solcher Kampagnen. Neben dem Personal erfordert dies zudem einiges an Koordination, um eine gewisse Einheitlichkeit zu gewährleisten.

camato_logoAn dieser Stelle kommt der von crealytics entworfene Technologie camato ins Spiel. Dieser ermöglicht eine komfortable Verwaltung von Werbekampagnen bei AdWords durch verschiedene Features: Ein wichtiger Aspekt ist ein regelbasierter Ansatz, welcher zur Automatisierung bestimmter Aufgaben dient. Neben einem intelligenten Clustering, das die relevanten keywords ermittelt und ordnet, können über Textersetzung Anzeigen für ganze Produktkategorien in einem Schritt erzeugt werden. Insgesamt bietet camato damit erhebliche Zeitersparnis, indem viele wiederkehrende Aufgaben automatisiert und intelligent ergänzt werden. Camato kommt sowohl intern im Dienstleistungsgeschäft zum Einsatz, wie auch extern als Software-as-a-Service für Unternehmen, die Suchmaschinenwerbung selbstständig inhouse betreiben.

Ähnlich wie bei Google AdWords müssen die crealytics-Kunden ein sog. Tracking-Pixel auf ihrer eCommerce-Webseite integrieren. Dadurch kann crealytics genau ermitteln wie viel Profit ein Kunde durch einen Einkauf generiert hat. Zusätzlich können damit detaillierte Statistiken berechnet werden die den Werbetreibenden zur Optimierung ihrer Aktivitäten dienen. Der Clou liegt allerdings im Konzept des Profit Driven Search Marketing. Crealytics verlangt nur dann Kosten für seinen Dienst, wenn durch die geschalteten Anzeigen Kunden tatsächlich Produkte oder Dienstleistungen gekauft haben. In diesem Fall wird crealytics am Gewinn beteiligt. Gleichermaßen verpflichtet man sich dazu ein optimales Angebot für seine Kunden aufrecht zu erhalten. Der Erfolg crealytics brachte ihnen sogar eine zertifizierte Partnerschaft mit Google AdWords ein.

Neben dem Hauptsitz in Passau wurde letztes Jahr ein zweiter Standort in Berlin erschlossen. Im Hauptstadtbüro arbeiten bereits 25 Personen. Die Expansion in die Bundeshauptstadt ist der begrenzten Zahl an Bewerbern in Passau geschuldet – insbesondere im Bereich der Softwareentwicklung. Am Passauer Standort wird jedoch festgehalten: „Wir haben hier ein sehr gutes Softwareentwicklungs-Team mit umfangreichen Erfahrungen in den verwendeten Techniken und zahlreiche Leute im Payment mit Expertise“. Sowohl Passau als auch Berlin haben gewisse Vor- und Nachteile. Auf der Karriere-Seite von crealytics wirbt man explizit damit. Bewerber können selbst bestimmen an welchem Standort sie arbeiten wollen – je nachdem wo es für den einzelnen attraktiver ist.

Um die Mobilität für Mitarbeiter möglichst unkompliziert zu gestalten, betreibt crealytics je eine Mitarbeiter-WG in Passau und Berlin. Darüber hinaus bieten eine Tischtennisplatte im Passauer Büro und ein Kicker im Berliner Büro Ausgleichsmöglichkeiten. Dem letzten Wasserski-Ausflug  soll nun ein gemeinsamer Wochenendurlaub mit ca. 60 Mitarbeitern folgen. All dies soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es bei crealytics an erster Stelle um Leistung geht. „Spaß bei der Arbeit ist vielmehr das Ergebnis spannender Aufgaben und gemeinsamer Erfolge als von Tischtennisplatte und Ausflügen“, betont Andreas. Dass Spaß und Zufriedenheit bei den Mitarbeitern nicht zu kurz kommen belegen die Auszeichnungen von kununu und karriere.de.

Vor drei Wochen stellte crealytics insgesamt acht neue Mitarbeiter ein. Zehn weitere sollen im Laufe dieses Jahres noch folgen. Crealytics ist also weiter auf der Suche nach talentierten Mitarbeitern. Aufgrund vieler internationaler Kunden ist es wichtig, die Dienstleistung und SaaS camato in weiteren Sprachräumen anzubieten. Daher sind Fremdsprachenkenntnisse äußerst wertvoll. Nicht ganz zufällig findet man aus diesem Grund einige Kuwi-Absolventen in der Belegschaft. Neben der Sprachaffinität sollte man „keine Abneigung zu Zahlen“  haben, erklärt Andreas.

Die Softwareentwicklung bei crealytics basiert auf der Programmiersprache Ruby und dem Web-Framework Rails. Software-Entwickler mit Erfahrung in diesem Bereich werden ebenfalls gesucht. „Leider fehlt es vielen Studierenden und Absolventen an grundlegenden Praxiskenntnissen“, kritisieren Christof und Andreas. Im Bereich der Informatik hebt sich die Uni Passau zwar durch ein sog. Software Engineering Praktikum von anderen Universitäten ab; das verwendete Wasserfallmodell ist jedoch schon sehr veraltet. Agile Methoden sind ihrer Meinung nach de facto Standard in der Branche. Crealytics setzt beispielsweise Scrum unternehmensweit ein. Dazu gehören tägliche Standup-Meetings sowie der Austausch der Sprints an den beiden Standorten über Telefonkonferenzen. Wissen über die Verfahrensabläufe sind daher gern gesehen und gehören ihrer Meinung nach verpflichtend in das Universitätscurriculum.

Die komplette Reihe Made in Passau

Teil 1 Made in Passau: GradeView
Teil 2 Made in Passau: Studentenflohmarkt
Teil 3 Made in Passau: Stomt
Teil 4 Made in Passau: unicato
Teil 5 Made in Passau: ONE LOGIC
Teil 6 Made in Passau: crealytics
Teil 7 Made in Passau: Campus Cup (5 Euro Special)
Teil 8 Made in Passau: your-coin (5 Euro Special)
Teil 9 Made in Passau: Wohnraumkarte
Teil 10 Made in Passau: Thronboten (5 Euro Special)
Teil 11 Made in Passau: Campusbeauties (5 Euro Special)
Teil 12 Made in Passau: TouriSpo

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Dieser Artikel wurde verfasst von Sebastian Henneberg.

1 Kommentar

  • Christian Bachmaier says:

    Die Phasen des angesprochenen Wasserfallmodells sind keineswegs veraltet, sondern tauchen allesamt (wie in der Software Engineering Vorlesung gelehrt) in allen existierenden Vorgehensmodellen in der ein oder anderen Form als Subprozesse wieder auf. Das Phasenmodell ist Grundlage aller anderen, und wird somit als formales Grundprinzip gelehrt. Damit sollen die Studenten später in der Lage sein mit einer Vielzahl an verschiedenen und evtl. aktuell beliebten Vorgehensmodellen, wie z.B. Scrum oder Kanban, zu arbeiten. Wichtig dabei ist, zuerst das formale Prinzip zu kennen, bevor man eine Auflockerung dessen anwendet bzw. lernt.

    Im Software Engineering Praktikum der Universität Passau wird keineswegs wie dargestellt das klassische Wasserfallmodell verwendet. Damit wäre es kaum möglich tatsächlich erfolgreich ein Projekt durchzuführen. Vielmehr wird ein abgewandeltes Phasenmodell verwendet, in dem agile Ansätze, Rückkopplung, evolutionäre Komponenten wie Prototyping usw. stark eingesetzt werden.

    Zudem ist es für ein erstes größeres Projekt der noch lernenden Studenten wichtig ein eher starres Konzept anzuwenden, das den Erfolg des Projekts besser absichert. Zum Beispiel eignen sich agile Methoden besonders für schon erfahrene Projektteilnehmer.

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