Beratung zum Berufseinstieg: Renate Mayer und Matthias Schöberl im Gespräch

Veröffentlicht von am 13.04.2017, 14:22 | Kommentar

„Und, was möchtest du nach deinem Studium machen?“ Diese Frage hat sicher jeder Studierende schon einmal gehört und bestimmt nicht jeder wusste sofort eine Antwort darauf. Im heutigen Dschungel der Jobausschreibungen und Berufs- und Karrierewege ist es auch nicht einfach, sich zu orientieren. Um den Studierenden die Antwort auf die Frage nach dem Berufswunsch zu erleichtern und sie optimal für die Herausforderungen, die ein Praktikum oder der Berufseinstieg mit sich bringen, vorzubereiten, gibt es die Angebote des Career Service der Universität Passau. Verantwortlich für den Career Service an der Universität Passau sind Frau Renate Mayer und Herr Matthias Schöberl. Zusammen sorgen Sie dafür, dass der Career Service die Studierenden bei allen Fragen rund um die Themen Berufsorientierung, Berufseinstieg, Praktika und Praktikumsstipendien unterstützt. Wir haben mit ihnen über ihre Aufgaben beim Career Service und Tipps, die sie Studierenden für den Berufseinstieg geben, gesprochen.

Renate Mayer und Matthias Schöberl

ZfS: Frau Mayer, Herr Schöberl, was sind Ihre Aufgaben beim Career Service?

Renate Mayer, Matthias Schöberl: Zum einen organisieren wir jedes Semester ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm, zu dem Seminare rund um das Thema Bewerben und Berufsorientierung gehören genauso wie Unternehmenspräsentationen oder die Vorstellung bestimmter Berufe durch Alumni. So wollen wir erreichen, dass sich die Studierenden frühzeitig damit auseinandersetzen, welche Berufe für sie in Frage kommen, ein realistisches Bild von der Praxis bekommen und erste Kontakte zu möglichen Arbeitgebern knüpfen. Jedes Jahr im November findet darüber hinaus die Karrieremesse Campus meets Company statt, bei der sich über 60 Aussteller den Studierenden und Absolventen präsentieren. Außerdem verwalten wir zahlreiche Stipendienprogramme für Auslandspraktika und beraten zu allen Fragen rund um Praktika, Bewerbung und Berufseinstieg. Daneben fallen natürlich immer wieder auch Verwaltungstätigkeiten wie das Prüfen und Ausstellen von Praktikumsverträgen an oder Sonder- und Netzwerkaufgaben. Zum Team des Career Service gehören zudem noch Frau Schachtner im Sekretariat und Frau Daller für die Stipendienbetreuung sowie unsere studentischen Hilfskräfte. Ohne sie wäre das umfangreiche Angebote des Career Service nicht umzusetzen.

ZfS: Wie läuft ein Beratungsgespräch zum Berufseinstieg ab und worüber genau sprechen Sie dabei mit Studierenden?

Mayer und Schöberl: Ein Beratungsgespräch kann über das Sekretariat des Career Service jederzeit vereinbart werden. Meist gibt es dabei eine Vorlaufzeit von ein bis zwei Wochen. Wir nehmen uns für jedes Gespräch 60 Minuten Zeit. Oft senden die Studierenden ihre Bewerbungsunterlagen mit zugehöriger Stellenanzeige bereits vorab, so dass wir uns vorbereiten können. Man kann diese aber auch direkt zum Beratungsgespräch mitbringen. Hauptteil der Beratung ist meist die Optimierung der Bewerbungsunterlagen und die Beantwortung der Fragen zum Bewerbungsprozess. Wir gehen zunächst gemeinsam den Lebenslauf durch und versuchen dann das Anschreiben mit Blick auf die Stellenanzeige zu verbessern. Meistens schließt sich dann ein Gespräch über den Berufswunsch der Studierenden an. Einige haben schon sehr konkrete Vorstellungen und wir können anhand ihres Lebenslaufes einschätzen, ob dies realistisch ist oder nicht und entsprechende Tipps geben. Andere sind sich noch unsicher. Auch hier kennen wir aufgrund des Lebenslaufes den Ausbildungsweg und die Qualifikationen. Wir versuchen nun im Gespräch die Interessen und Wünsche heraus zu finden und so gemeinsam bestimmte Berufsoptionen aufzuzeigen. Wichtig ist dabei, dass der Studierende im Gespräch selbst den passenden Weg für sich findet und wir dies nicht von außen vorgeben. Wir unterstützen lediglich durch Fragen und unsere Kenntnisse vom Arbeitsmarkt. Im Idealfall soll der Studierende mit optimierten Bewerbungsunterlagen und einer klareren Vorstellung von seiner beruflichen Zukunft aus dem Gespräch kommen.

ZfS: Was raten Sie Studierenden, die noch nicht wissen, in welchen Berufen Sie arbeiten wollen?

Mayer und Schöberl: Es ist auf jeden Fall gut, sich schon frühzeitig mit dem Thema zu beschäftigen. In Seminaren wie Potenzialanalyse oder Berufseinstieg für Geisteswissenschaftler können die Studierenden gezielt ihre eigenen Interessen und Stärken herausarbeiten und so auf interessante Berufsfelder kommen. Durch Kontakt mit Unternehmen oder Vorträge aus der Reihe Berufe im Profil erfahren die Studierenden zudem von den Anforderungen und dem Arbeitsalltag in bestimmten Berufen. Dies alles können und sollten die Studierenden nutzen. Natürlich gibt es auch viele Informationen dazu auf unseren Webseiten. Am wichtigsten ist es aber durch Praktika heraus zu finden, ob einem ein bestimmter Bereich liegt und sich die Vorstellungen mit der Realität decken. Selbst wenn das dann nicht der Fall ist, kann man bestimmte Bereiche für sich ausschließen und entdeckt dabei oft andere Tätigkeitsfelder, die einem liegen. Praktika dienen daher nicht nur dazu, das eigene Profil im Lebenslauf zu schärfen, sondern auch wirklich herauszufinden, wo der berufliche Weg hingehen soll.

ZfS: Wann sollten Studierende beginnen, sich auf Stellen zu bewerben? Gibt es eine Art „Faustregel“?

Mayer und Schöberl: Die Suche nach der ersten Festanstellung kann unterschiedlich lange dauern. Man darf nicht vergessen, dass es viel Mühe und Zeit kostet, sich zu bewerben. Wie erwähnt sollte man bereits während des Studiums herausgefunden haben, welche Berufsfelder in Frage kommen. Es lohnt sich auch schon, vor dem Abschluss nach geeigneten Stellenbörsen oder Arbeitgebern zu recherchieren und die Einstellungsbedingungen bzw. Bewerbungsfristen heraus zu finden. Wenn man es zeitlich schafft, kann man sich durchaus bereits einige Monate vor dem Abschluss bewerben. Viele Studierende finden aber die Zeit nicht dazu oder wollen sich zunächst auf die noch ausstehenden Prüfungen konzentrieren. Dann ist es auch in Ordnung, erst nach der letzten Prüfung mit dem Bewerbungsprozess zu beginnen. Dieser dauert in der Regel drei bis sechs Monate, variiert aber je nach Branche, Qualifikation und Professionalität der Bewerbung. Sollte es zunächst nicht mit dem gewünschten Bereich klappen, kann man die Bewerbungen örtlich oder thematisch etwas ausweiten. Im Zweifelfall können die Absolventinnen und Absolventen auch zu uns zur Beratung kommen.

ZfS: Worauf sollten baldige Berufseinsteiger besonders achten?

Mayer und Schöberl: Sie sollten schon in etwa wissen, in welchem Bereich sie später tätig sein möchten und die Voraussetzungen dafür (mögliche Arbeitgeber, Anforderungen, Bewerbungsfristen etc.) recherchieren. Außerdem können sie schon frühzeitig ihre Bewerbungsunterlagen vorbereiten, d.h. Dokumente einscannen, den Lebenslauf entwerfen, ein gutes Bewerbungsfoto besorgen etc. In Seminaren unserer Reihe „Bewerben im In- und Ausland“ werden sie zusätzlich optimal auf den Bewerbungsprozess vorbereitet. Dann sollte man irgendwann anfangen, sich zu bewerben, dabei den Überblick behalten und sich nicht verunsichern lassen, wenn es nicht gleich zum Erfolg führt.

ZfS: Möchten Sie abschließend noch etwas sagen?

Mayer und Schöberl: Gerade in der heutigen Zeit übt man kaum noch eine Tätigkeit das ganze Berufsleben lang aus. Es ist daher nicht schlimm, Brüche oder Umwege im Lebenslauf zu haben. Man muss dies nur nachvollziehbar erklären können. Insgesamt achten die Arbeitgeber zunehmend auf die Gesamtpersönlichkeit, d.h. Praktika, Auslandserfahrung, Sprachkenntnisse und Soft Skills sind meist genauso wichtig oder sogar wichtiger als das Studienfach oder gute Noten. Viele Studierende wollen zudem unbedingt in der Regelstudienzeit oder sogar früher fertig werden. Den Arbeitgebern ist jemand mit Auslandserfahrung und guten Praktika aber meist lieber als jemand, der sehr schnell studiert hat, aber nicht über den Tellerrand geblickt hat. Und zuletzt braucht natürlich jeder auch das gewisse Quäntchen Glück, um den richtigen Arbeitgeber zu finden.

ZfS: Vielen Dank für das Gespräch!

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Dieser Artikel wurde verfasst von Zentrum für Schlüsselkompetenzen.

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